Der Neurotransmitter Dopamin wurde erstmals 1957 identifiziert. Neurotransmitter sind Botenstoffe: sie leiten Signale zwischen Nervenzellen im Gehirn weiter. Diese Nervenzellen steuern unsere Gedanken, Gefühle und auch Bewegungen. Dopamin braucht es unter anderem für eine funktionale Bewegung: Parkinson-Patient*innen, welche mit der Steuerung ihrer Bewegungen Mühe haben, weisen einen tiefen Dopaminspiegel auf.
Am besten bekannt ist Dopamin allerdings dafür, dass es uns Menschen mögliche Belohnungen ankündigt. Es lenkt uns zu den Dingen, die wichtig sind für unser Überleben: wie zum Beispiel essen, soziale Kontakte oder schlafen.
Dopamin bringt Vorfreude und Motivation
Dabei wirkt Dopamin als eine Art innerer Antreiber, und hilft, die vielen Reize, die tagtäglich auf uns einprasseln, zu priorisieren: was davon ist wichtig, was nicht? Dies passiert, indem unser Gehirn evaluiert, wie stark die erwartete Belohnung ist. Je grösser die Belohnung ist, die wir erwarten, desto mehr Dopamin wird ausgeschüttet, was wir als Vorfreude empfinden.
Während dem Essen zum Bespiel werden Glückshormone (Endorphine) ausgeschüttet. Unser Gehirn speichert diese Belohnung und markiert die Situation als wichtig. Beim nächsten Mal, wenn wir hungrig sind, motiviert es uns, zu handeln, in dem es Dopamin ausschüttet und uns damit auf die mögliche Belohnung hinweist: entweder müssen wir nun kochen oder etwas bestellen.
Aber auch beim Konsum von Social Media, Zucker oder Online-Shopping werden kurzfristig Endorphine ausgeschüttet. Unser lernfähiges Gehirn merkt sich auch diese Belohnungen und schüttet beim nächsten Blick aufs Handy, bei Werbung für Schokolade oder Kleider Dopamin aus: wir verspüren ein Vorfreudegefühl – die Chance, dass wir damit wieder zur belohnenden Aktion greifen, wird erhöht.
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Nicht verpassen: Dreimal im Jahr klären wir über Suchterkrankungen auf und stellen unsere Mediothek-Angebote vor.
Das grosse Problem?
Der grosse Hacken: Suchtmittel aktivieren das Vorfreude- und Belohnungssystem durch Dopamin und Endorphine deutlich stärker als alltägliche, natürliche Belohnungen - wie etwa ein gutes Essen, ein Lob oder Erfolgserlebnis. Je häufiger Alkohol, Drogen, oder auch Glücksspiele oder digitale Medien als kurzfristige Ablenker oder Problemlöser dienen, desto stärker verfestigen sich diese Verhaltensmuster.
Unser Gehirn merkt sich diese besondere Belohnung und verstärkt das Verlangen danach. Häufiger Konsum davon verändert unser Belohnungssystem nachhaltig. Es stumpft ab gegenüber kleinen alltäglichen Freuden: Hobbies oder Treffen mit Freund:innen verlieren zunehmend an Attraktivität.
Sucht = Erkrankung des Gehirns
Der Übergang zu einer Suchterkrankung ist fliessend. Je öfter, impulsiver und automatischer wir zum Suchtmittel greifen, desto höher ist die Suchtgefahr und damit auch der persönliche Leidensdruck.
Medizinisch gesehen ist Sucht eine Krankheit, da das Belohnungszentrum im Gehirn eines suchtkranken Menschen dauerhaft verändert wird: es ist voll und ganz auf das Suchtmittel ausgerichtet. Dieses verspricht die mit Abstand grösste Belohnung – alles andere hat längst an Attraktivität eingebüsst. Die Folge: der Konsum, welcher anfänglich von Neugierde und Lust geprägt ist, wird zum Zwang. Eine suchtkranke Person kann ihren Konsum willentlich kaum noch steuern, das erkrankte Belohnungssystem hat das Steuer übernommen.
Schon bestimmte Reize – sogenannte Triggers - können diesen Kontrollverlust auslösen: z.B. ein Geruch, ein Geräusch, oder Menschen und Orte, die mit dem Suchtmittel in Verbindung stehen. Wird einer dieser Trigger ausgelöst, wird so viel Dopamin ausgeschüttet, dass der eigene Willen schnell untergraben ist.
Der Ausstieg aus einer Suchterkrankung hat daher zum Ziel, die Kontrolle über das eigene Belohnungszentrum zurückzugewinnen und neue Belohnungsziele aufzubauen. Die gute Nachricht: auch ein suchterkranktes Gehirn kann den Weg zurück in einen selbstbestimmte(re)n Zustand finden - oft mit professioneller Hilfe.
Suchtmittel betreffen uns alle
Für viele Menschen ist es schwierig, das Handy wegzulegen, nicht zu viel zu naschen oder über den Durst zu trinken. Kein Wunder, denn in unserer Zeit warten viele schnell verfügbare Dopamin-Kicks auf uns. Sie konfrontieren unser Gehirn ständig mit Neuem und lassen uns oft kaum Zeit, uns auf unsere eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu konzentrieren.
Wie können wir nun im Alltag einer hohen Dopaminerwartung widerstehen? Müssen wir uns in Dopamin-Abstinenz üben? Wie oben erwähnt, geht’s nicht ohne Dopamin - Wir brauchen den Botenstoff zum täglichen Funktionieren. Aber: wir können uns aber bewusster entscheiden, welchen Dopamintriggern wir uns aussetzen.
Wenn wir eine Zeit lang auf Social Media, Alkohol, Vapes oder Süssigkeiten verzichten, üben diese Reize tendenziell weniger Macht auf uns aus. Anstatt bei Langeweile automatisch zum Handy zu greifen, können wir lernen, uns bewusst dafür zu entscheiden. Diese Pausen geben uns die Möglichkeit, uns auf neue Ziele und Ideen zu konzentrieren. Sie laden uns dazu ein, Langeweile auszuhalten, Kreativität zu entdecken und wieder stärker mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu kommen.
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QUELLEN
Wissenschaftliche Publikationen
Dopamine and addiction: what have we learned from 40 years of research
Marcello Solinas, Pauline Belujon, Pierre Olivier Fernagut, Mohamed Jaber, Nathalie Thiriet. Dopamine and addiction: what have we learned from 40 years of research.. Journal of Neural Transmission, 2019, 126 (4), pp.481-516
The Role of Dopamine in Impulsivity and Substance Abuse: A Narrative Review
Connor J Plaisance, Lloyd F Ledet, Nicholas J Slusher et al. The Role of Dopamine in Impulsivity and Substance Abuse: A Narrative Review. Health Psychology Research. 2024, 12
Medien
Von Dopamin und Suchtverhalten bis zu Dopamin-Detox von AOK
Wie entsteht Sucht im Gehirn? von drugcom.de
Hirnforschung Sucht: Die Motivation zu schlechten Zielen von dasgehirn.info